Leitfaden zur Erstellung von Natura Trails

Die Europäische Union hat in den vergangenen Jahren Verantwortung in der Umweltpolitik bewiesen: Mit „Natura 2000“, der Schaffung eines europaweiten Netzwerks von Schutzgebieten zur Erhaltung unseres Naturerbes, hat sie einen Prozess in Gang gesetzt, der in der Geschichte des alten Kontinents einmalig ist.

Natura 2000-Gebiete als Stätten des Naturerlebens bieten die Chance, die Menschen wieder näher an die Natur heranzuführen. Deshalb haben die NaturFreunde International (NFI) die Kampagne „Landschaft erhalten – Europa erleben“ gestartet, mit der konkrete Aktivitäten der NaturFreunde im Zusammenhang mit Natura 2000 propagiert und unterstützt werden sollen: Das aktive Naturerleben beim Wandern oder Radfahren soll mit der Vermittlung einer Umweltbotschaft und der Schaffung von mehr Bewusstsein für unsere Schutzgebiete verknüpft werden. Informationen dazu bei den NFI: andrea.lichtenecker@nfi.at


NaturFreunde Deutschlands machen mit

Wir haben beschlossen, dass sich die deutschen NaturFreunde an dieser Initiative der NFI beteiligen und wollen dazu beitragen, in Deutschland Interesse und gesellschaftliche Akzeptanz für das Natura-2000-Konzept der EU zu wecken. Und das können wir am besten, wenn wir in unseren Ortsgruppen oder in der Umgebung unserer Häuser Wander- und Fahrradrouten dokumentieren, die in oder durch Natura-2000-Gebiete führen (Natura-2000-Trails) - von der Bundesfachgruppe und vom Fachbereich Naturschutz, Umwelt, Sanfter Tourismus (NUST) beraten und koordiniert.

Einige Ortsgruppen und ein Landesverband haben sich bereits an die Arbeit gemacht: Der Landesverband Württemberg, der Landesverband Baden (beide mit fertigen Trails), der Landesverband Bayern, der Landesverband Brandenburg, die Ortsgruppen Pinneberg, Stormarn und Ahrensburg (Schleswig-Holstein). Andere haben ihr Interesse erklärt. Die Zahl der bereits engagierten Organisationsgliederungen bzw. Naturfreundehäuser reicht aus, um daraus eine Initiative der Bundesgruppe zu machen mit dem Ziel: Möglichst jede Ortsgruppe dokumentiert einen Natura 2000-Trail in ihrer Umgebung!

Fangt gleich damit an: Wir schlagen folgendes Vorgehen vor:


  1. Bei den Landesämtern für Naturschutz gibt es Landkarten, in die in Brüssel angemeldeten Natura-2000-Gebiete eingezeichnet sind. Besorgt Euch den Ausschnitt für Eure Region und vergleicht die Gebiete mit normalen (1:50.000) Wanderkarten.

  2. Dann bildet Ihr eine „Projektgruppe“ mit vier bis fünf Leuten und legt gemeinsam fest, welche/s Gebiet/e (die Ihr meistens vom Wandern und Radfahren kennt) Ihr als „Natura 2000-Gebiete in der Nachbarschaft“ dokumentieren wollt.

  3. Bei den Landesämtern gibt es zu jedem gemeldeten Natura-2000-Gebiet Erhebungsbögen zu den entsprechenden Nummern, in denen der Erhaltungsgegenstand, die Erhaltungsziele für Lebensraumtypen und Arten von besonderer Bedeutung genannt sind, die dort vorkommen. Die lasst Ihr Euch für die von Euch ausgesuchten Gebiete als CD-ROM schicken. Dann könnt Ihr in Eurem Führer gut beschreiben, warum die ausgewählten Gebiete schützenswert sind.

  4. Ihr nehmt Euch arbeitsteilig vor, wer welche Wege durch welches Natura-2000-Gebiet erkundet. Auf die Erkundung kann man ein Fahrrad mitnehmen, damit zwischen markanten Punkten und für die Gesamtstrecke die Entfernungen gemessen werden können. Das geht auch mit GPS. Kleine Wanderungen bis sieben Kilometer, Tageswanderungen bis 12 oder 15 Kilometer - Ihr solltet Rücksicht darauf nehmen, dass möglichst alle Altersgruppen Vergnügen haben.
    Unterwegs protokolliert Ihr Wegweiser und –markierungen oder beschreibt bisher nicht markierte Wege durch „links“ oder „rechts“ und circa-Entfernungen bzw. durch markante landschaftliche Punkte (etwa Kilometer-Steine etc.). Nicht vergessen: Kulturellen Hintergrund beschreiben, interessante Bauwerke, evtl. in besonderem Kasten.
    Auf Anfahrtsmöglichkeiten mit PKW (Parkplätze) bzw. ÖPNV für Start und Ziel hinweisen. Deshalb möglichst Rundwege dokumentieren! Einkehr- bzw. Einkaufsmöglichkeiten aufschreiben. Vergesst nicht den Fotoapparat! Das erspart Euch später einen Teil der Suche nach den richtigen Bildern.

  5. Die Texte tragt Ihr bei einer Sitzung der Projektgruppe zusammen und dabei einigt Ihr Euch über einen gemeinsamen Standard: z.B. erst Erläuterungen zur Landschaft, dann zu den Natura-2000-Besonderheiten, dann die jeweiligen Wegbeschreibungen. Ein Einleitungskapitel soll auf die EU-Idee und auf die NFI-Initiative Natura 2000 hinweisen. Evtl. eine weitere themenbezogene Einleitung wie z.B. „Auf den Spuren der Eiszeit“ (Broschüre der Ortsgruppen Stormarn und Ahrensburg).
  6. Bei Eurem Landesvermessungsamt gibt es eine CD-ROM, die Ihr kaufen könnt. Mit dem Landesvermessungsamt oder mit Eurem Landesamt für Naturschutz oder der unteren Naturschutzbehörde (Kreis) müsst Ihr die Nutzung der Karten aushandeln. Wanderwege und Symbole können in die Karten digital eingezeichnet werden.

Ihr braucht allerdings einen leistungsfähigen Computer. Sicher habt Ihr jemanden in Eurer Gruppe, der sich mit Datenverarbeitung so gut auskennt, dass er/sie die Bearbeitung der Wander- bzw. Fahrradkarten und ggf. das Layouten der Broschüre (QuarkXpress und Photoshop sind für die Druckvorlagenherstellung erforderlich) leisten kann.