Ab 2018: Sprengungen in der Ostsee – eine Gefahr für die Meeresumwelt

Die Ostsee - hier in der Eckernförder Bucht bei Noer

 

Deutsche Marine steht in den Startlöchern, um im Sperrgebiet Schönhagen vor der Ostsee-Küste sogenannte Ansprengungstests durchzuführen. Für den Fall terroristischer Anschläge oder bei Piraterie will man besser für solche Ereignisse gewappnet zu sein. Die Widerstandsfähigkeit von Marineschiffen gegenüber Minen und Bomben soll anhand der Fregatte "Karlsruhe" getestet werden. Geplant sind Schocksimulationen, die zu besseren Konstruktionsgrundlagen für künftige Marineschiffe beitragen sollen. Die Testversuche sollen zu zwei Zeitpunkten in je zwei Phasen laufen. Dies wird bis zum Jahr 2020 dauern.

Nach Auffassung der NaturFreunde sind erhebliche Schäden in der Meeresumwelt zu befürchten, auch Uferschwalbenkolonien könnten betroffen sein. Die Uferschwalben kommen jährlich zum Brüten an die Steilküste von Schönhagen und nutzen dort die Wände der Steilküsten, um ihre Brutröhren zu bauen. Doch diese selbst gegrabenen, kleinen Aushöhlungen sind nicht wirklich stabil. Bei Erschütterungen, wie bei den geplanten Ansprengungen, könnten sie einstürzen. Die Schockwellen der Detonationen könnten insbesondere auch Schweinswale verletzen. Die in der Nord- und Ostsee beheimateten Tiere können so sogar ihr Gehör verlieren. Für den Schweinswal in der westlichen Ostsee wird als „störungssensible Zeit“ der Zeitraum 1. Juni bis 30. September angegeben, doch auch außerhalb dieses Zeitraumes können Sprengungen das Leben der Meerestiere beeinträchtigen. Hinzu kommen Schadstoffemissionen durch die Munition für die ohnehin schon erheblich vorbelastete Ostsee.

 

Foto Wikimedia/ Darkone CC BY-SA 2.0: Die Fregatte Karlsruhe im Kieler Hafen. Nach der Ausserdiensstellung soll sie für Ansprengtests genutzt werden.

Die Bundeswehr hatte gegenüber den Medien und auf Anfrage von Parteien erklärt, das Risiko für Schäden an Tier und Umwelt minimieren zu wollen, so dass vor der Ansprengung das Schiff von Öl und Schmierstoffen befreit werden solle. Zudem würden die Tiere im Radius von zwei Seemeilen (3,7 Kilometer) durch sogenannte Vergrämungsmaßnahmen vertrieben, versunkene Munitionsteile würde nach der Sprengung geborgen.

Nach Ansicht der NaturFreunde werden die Umweltfolgen der Detonationen unterschätzt. Eine von einer Unterwasserdetonation von 4,5 Tonnen Sprengstoff ausgehende Schockwelle kann einen Schweinswal in einer Entfernung von sieben Kilometern noch schwer verletzen oder töten. Die Bundeswehr sollte vielmehr alle technischen Möglichkeiten ausschöpfen, um das Verletzungsrisiko für Deutschlands einzigen heimischen Wal zu minimieren. Mit einem Blasenschleier, der einen Bereich zum Schiff hin ausspart, könnte die Gefährdung für unter Wasser lebende und tauchende Wirbeltiere wie Fische, Seevögel, Robben und Schweinswale maßgeblich verringert werden. Die Bundeswehr war selbst an Untersuchungen zur Entwicklung eines entsprechenden Blasenschleiersystems beteiligt, das bereits jetzt erfolgreich bei der Beseitigung von Weltkriegsmunition eingesetzt wird und Stand der Technik zur Reduktion von Schockwellen ist.

Für den Schutz einer der bedeutendsten Uferschwalbenkolonie, die in der Steilküste von Schönhagen brüten, sind zusätzliche Minderungsmaßnahmen nötig. Jede Sprengung erzeugt eine seismische Schockwelle, die sich nahezu unvermindert durch den Boden fortpflanzt. Jungvögel können so in den Brutröhren in der Steilküste verschüttet werden. Auch die östlich des Sperrgebietes befindlichen Teile der Laichgebiete des frühjahrslaichenden westlichen Ostseedorsches, zu dessen Schutz die Fangquoten für Fischer wie Angler erheblich reduziert wurden, sind gefährdet. Die Laichzeit überlappt hier ggf. mit den geplanten Ansprengungen. Geschlechtsreife Dorsche halten sich vor allem von Ende Februar bis Ende Mai im Gebiet auf, Fischlarven und Jungfische leben hier noch in Zeiträumen weit darüber hinaus.

Der Schadstoffeintrag infolge der Sprengungen wird von der Bundeswehr überhaupt nicht betrachtet. Gerade die begehrten Miesmuscheln reichern sprengstofftypische Verbindungen an. Dieser Aspekt ist umweltrelevant und müsste zumindest ein begleitendes Monitoring erfasst werden.

Die NaturFreunde sprechen sich grundsätzlich gegen Sprengversuche in der Ostsee aus, fordern aber zumindest, dass die bestmöglichen Minderungsmaßnahmen zum Einsatz kommen und Schäden von der Umwelt abgewendet werden.

 

2018-09-08_NaturFreunde fordern mehr Rücksicht bei Ansprengversuchen

2018-08-31_Resolution Kreistagsfraktionen Rendsburg Eckernförde

2018-08-31_Presse Kreistagsfraktionen Rendsburg-Eckernförde

2018-05-25_Protestaufruf Ostsee Umweltverbände

2017-12-27_Antwort der Bundesregierung-Ansprengversuche und Beschuss der Fregatte Karlsruhe

2016_Munitionsbelastung der deutschen Meeresgewässer

2016_So sieht eine Sprengung aus

2007_Dorsche in der Ostsee-wann und wo sie sich fortpflanzen

 

Kontakt: Dr. Ina Walenda, ina.walenda@naturfreunde-sh.de, mobil 0176 20508116

 

Steilküste an der Eckernförder Bucht